| Stadtwappen Potsdam | Geographische Lage |
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| Bundesland: | Brandenburg |
| Kreis: | kreisfreie Stadt |
| Koordinaten: | 52° 24' N, 13° 4' O |
| Höhe: | 35 m über NN |
| Fläche: | 187,27 km² |
| Einwohner (Stand 10.2006): | 148.691 |
| Bevölkerungsdichte: | 794 Einwohner je km² |
| Postleitzahl: | 14401–14482 |
| Vorwahl: | 0331 |
| KFZ-Kennzeichen: | P |
| Gemeindeschlüssel: | 12 0 54 000 |
| Webpräsenz: | » www.potsdam.de |
Lage
Potsdam befindet sich südwestlich von Berlin am Mittellauf der Havel, in einer eiszeitlich geprägten Wald- und Seenlandschaft. Diese ist durch den Wechsel von breiten Talniederungen und Moränenhügeln wie dem südlich gelegenen Saarmunder Endmoränenbogen charakterisiert. Das Stadtgebiet besteht heute zu rund 75 % aus Grün-, Wasser- und Landwirtschaftsfläche, lediglich 25 % sind bebaut.
Insgesamt befinden sich über 20 Gewässer in und um Potsdam. Im urbanen Zentrum der Stadt sind dies der Heilige See, der Bornstedter See, der Aradosee, der Baggersee, der Tiefe See, sowie Teile des Griebnitzsees, der Glienicker Lake und des Jungfernsees und der größte Teil des Templiner Sees mit Vorderkappe, Hinterkappe und Neustädter Havelbucht. In den landschaftlich geprägten Außenbereichen Potsdams befinden sich der Sacrower See, der Lehnitzsee, der Krampnitzsee, die Sacrower Lanke, der Weiße See, Fahrlander See, die Wublitz, der Schlänitzsee, der Schäfersee und der Hirtenteich vollständig, und mit Anteilen der Groß Glienicker See, der Große Zernsee und die seeartige Havelerweiterung vor Werder (Havel) im Stadtgebiet. Zu den Fließgewässern im Stadtgebiet gehören neben der Havel, die viele der oben genannten Seen verbindet, der Sacrow-Paretzer-Kanal, der Teltowkanal und die Nuthe.
Die Havel fließt am Strandbad Babelsberg bei 29,4 m ü. NN. Die Nuthe mündet gegenüber der Nordwestspitze der Freundschaftsinsel im Stadtgebiet in die Havel. Ablagerungen der Nuthe bildeten früher Teile der Freundschaftsinsel. Der Teltowkanal ist eine 37 km lange künstliche Wasserstraße. Er beginnt an der Glienicker Lake und wurde 1906 eingeweiht. Der Kanal verbindet die Havel bei Potsdam mit der Dahme in Berlin-Grünau.
Die höchste Erhebung im Stadtgebiet ist der Kleine Ravensberg mit 114 m. Die tiefste Stelle ist der mittlere Wasserspiegel der Havelgewässer mit 29 m ü. NN.
Nachbargemeinden
Folgende Städte und Gemeinden grenzen an Potsdam:
Berlin sowie Kleinmachnow, Stahnsdorf, Nuthetal, Michendorf, Schwielowsee (Geltow, Caputh, Ferch) und Werder (Havel) (alle Landkreis Potsdam-Mittelmark) sowie Ketzin, Wustermark und Dallgow-Döberitz im Landkreis Havelland.
Geschichte
Gründung im Mittelalter
Die Stadt Potsdam hat eine über eintausendjährige Geschichte. Bereits im 7. Jahrhundert errichtete der slawische Stamm der Heveller gegenüber der Einmündung der Nuthe eine Burganlage an der Havel. Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes erfolgte in einer Schenkungsurkunde des Kaisers Otto III. des Heiligen Römischen Reiches an das Stift Quedlinburg als Poztupimi am 3. Juli 993. Der Name leitet sich möglicherweise von den slawischen Wörtern Pod Stupa ab, welche mit unter den Eichen übersetzt werden können. Die Bedeutung der Region beruhte auf der Beherrschung des Havelübergangs.
Im Jahr 1150 eroberte Albrecht der Bär die Stadt und gründetet die Mark Brandenburg. Durch Albrecht kam die Nordmark als Mark Brandenburg auch faktisch zum Heiligen Römischen Reich. Am Havelübergang wurde eine deutsche steinerne Turmburg erbaut. Im Jahr 1317 wurde die Stadt erstmals als Burg und vor allem „Stadt“ urkundlich unter dem Namen Postamp erwähnt. 1345 erhielt Potsdam das Stadtrecht und blieb die nächsten Jahrhunderte ein kleiner städtischer Marktflecken. Von 1416 an bis zum Ende des Ersten Weltkrieges und dem damit verbundenen Untergang der Monarchie in Deutschland verblieb Potsdam im Besitz der Hohenzollern. Der verheerende Dreißigjährige Krieg (1618 bis 1648) und zwei Großbrände verwüsteten die Stadt.
Aufstieg als Residenzstadt
Mit dem kurmärkischen Landtag 1653, auf dem der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm I. die Macht des Landadels einschränkte, begann die absolutistische Zeit in Brandenburg. Seine Regierungszeit war eine der einflussreichsten in der Geschichte Brandenburgs und Potsdams. Er kaufte die einzelnen verpfändeten Stadtgebiete zusammen und entschloss sich, die Stadt zu seiner zweiten Residenz neben Berlin auszubauen. Mit dem Ausbau des aus der Burg im 16. Jahrhundert entstandenen Stadtschlosses und der Verschönerung der Umgebung durch den Großen Kurfürsten entstand ab 1660 ein Entwicklungsschub.
Erst mit Hilfe des Toleranzediktes von Potsdam im Jahre 1685 konnten aufgrund steigender Immigration die Landstriche neu bevölkert werden. Vor allem die verfolgten, protestantischen Hugenotten aus Frankreich flohen in den Schutz der brandenburgischen Gebiete. Etwa 20.000 Menschen folgten dem Angebot und verhalfen der Wirtschaft mit ihrem Fachwissen zum Aufschwung.
Unter dem Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. wurde die Stadt ein wichtiger Garnisonsstandort des preußischen Heeres. Damit verbunden war auch die Ansiedlung verschiedener für das Militär wichtiger Handwerker. Das führte zu einem starken Anwachsen der Einwohnerzahl (die Soldaten eingerechnet) und erforderte den Bau neuer Wohnquartiere als erste und zweite Stadterweiterung. Sein Sohn Friedrich II. der Große schätzte die Gedanken der Aufklärung und reformierte den preußischen Staat. Er veranlasste ab 1745 bedeutende Bauprojekte in Potsdam, darunter das Schloss Sanssouci, das Neue Palais und den Umbau des Stadtschlosses.
Im Oktober 1806 erreichte Napoléon Bonaparte mit seinen Truppen die Stadt Potsdam. Die nachhaltige Wirkung der Besatzungszeit führte zu Reformen im Staatswesen. Napoleon besuchte das Grab Friedrichs des Großen in der Gruft der Garnisonkirche. Nach dem Ende der napoleonischen Besatzung entwickelte Friedrich Wilhelm III. die Stadt ab 1815 zu einem Verwaltungszentrum. Es siedelten sich zahlreiche Regierungsbeamte in Potsdam an. 1838 ging mit der Strecke Potsdam-Berlin die erste Eisenbahnlinie Preußens in Betrieb.
Die zunehmenden Spannungen in der Zeit des Vormärzes entluden sich in der Märzrevolution von 1848. Das Volk kämpfte auf den Barrikaden im benachbarten Berlin für eine liberale Verfassung. Nach den tödlichen Schüssen des Militärs hatte Friedrich Wilhelm IV. den 187 Toten auf dem Berliner Schlossplatz seine Reverenz erwiesen. Im März siedelte der König in die vermeintlich ruhigere Nachbarstadt Potsdam um. Doch im September 1848 sprang der Funke der Revolution auch auf Potsdam über. Meuternde Soldaten versammelten sich diskutierend vor dem Neuen Palais. Als die Soldaten versuchten, gefangene Kameraden aus dem Arrest zu befreien, wurde der Aufstand schnell von preußischen Elitetruppen niedergeschlagen. Nach den Wirren der unvollendeten Revolution war die Restauration der alten Machtverhältnisse das vorherrschende Ziel. Es wurden zahlreiche ambitionierte Bauprojekte vorangetrieben, so auch die Nikolaikirche (1850) und die katholische Kirche St. Peter und Paul im Jahre 1867. Die hohen Bauten prägen noch heute das Stadtbild. Seit 1911 hatte Potsdam einen 25 Hektar großen Luftschiffhafen an der Pirschheide, im selben Jahr wurde das Filmstudio Babelsberg gegründet.
Im Jahr 1914 unterzeichnete der letzte preußische König und deutsche Kaiser Wilhelm II. im Neuen Palais die Kriegserklärung gegen die Entente-Mächte. [11] Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs endete auch die Ära der Monarchie mit der Novemberrevolution und Wilhelm II. floh 1918 ins Exil nach Holland. Die Stadt Potsdam verlor damit ihren Status als Residenzstadt endgültig.
Weimarer Republik und Nationalsozialismus
Der verlorene Krieg verschärfte die Not und das Elend in Deutschland. Das umfangreiche Eigentum der Hohenzollern an Schlössern und Grundbesitz ging zum größten Teil in Staatseigentum über. Die Zeit während und nach dem Ersten Weltkrieg war gekennzeichnet durch zahlreiche Auseinandersetzungen zwischen den politischen und paramilitärischen Kräften im Staat.
Zu Beginn der Zeit des Nationalsozialismus fand am 21. März 1933 der Tag von Potsdam statt. Bei dem inszenierten Staatsakt reichte der greise Reichspräsident Paul von Hindenburg dem neuen Reichskanzler Adolf Hitler die Hand. Dies sollte als symbolische Geste für ein Bündnis der alten Ordnung mit dem Nationalsozialismus verstanden werden. Die konstituierende Sitzung des Reichstags fand ohne die Sozialdemokraten und Kommunisten in der Potsdamer Garnisonkirche statt, da der Berliner Reichstag aufgrund des Brandschadens nicht zur Verfügung stand. Das Ereignis wurde landesweit im Rundfunk übertragen.
Das Stadtzentrum Potsdams wurde in der letzten Phase des Zweiten Weltkrieges am 14. April 1945 durch einen alliierten Bombenangriff beschädigt. Da ein großer Teil der schweren Bomben und Luftminen in die südlich des Hauptbahnhofs gelegenen Ravensberge fiel, verringerten sich die Schäden im Stadtgebiet. Das Gebiet zwischen dem Alten Markt und der Freundschaftsinsel wurde stark beschädigt, vom Stadtschloss blieben nur noch die Außenmauern übrig. Der Lange Stall explodierte durch eingelagerte Munition und steckte durch Funkenflug die in der Nähe stehende Garnisonkirche in Brand. Ähnlich beschädigt wurden auch weite Teile der nördlichen Vorstadt in der Nähe der Glienicker Brücke. Weitgehend erhalten blieb das Gebiet um den Neuen Markt, die Nikolaikirche sowie kleine zusammenhängende Teile der Altstadt, wie das Holländische Viertel. Bereits kurz nach dem Angriff wurde die Stadt von den Nationalsozialisten zur Festung erklärt. In den Kämpfen der letzten Kriegstage wurden hochstehende Türme durch die sowjetische Artillerie beschossen. Der Turm der Heiligengeistkirche brannte bis auf einen Stumpf nieder, die Nikolaikirche erhielt so schwere Schäden, dass sie erst 36 Jahre später wieder eingeweiht werden konnte. Am 27. April 1945 wurde Potsdam schließlich durch die Rote Armee eingenommen und der Zweite Weltkrieg endete für die Stadt.
Geteiltes Deutschland
Potsdamer Konferenz im Schloss Cecilienhof mit Churchill, Truman und Stalin.
Im Schloss Cecilienhof, dem Wohnsitz des letzten deutschen Kronprinzen Wilhelm von Preußen, fand vom 17. Juli bis zum 2. August 1945 die Potsdamer Konferenz der Siegermächte USA (Harry S. Truman), Großbritannien (zunächst Winston Churchill, später Clement Richard Attlee) und Sowjetunion (Stalin) statt. Die Konferenz endete mit dem Potsdamer Abkommen, welches die deutsche Besatzung in vier Zonen besiegelte.
Mit der Gründung der DDR wurde Potsdam von 1952 bis 1990 zum Verwaltungssitz des neugegründeten Bezirkes Potsdam. Am 25. Juli 1952 nahm der Landtag Brandenburg das Gesetz „Maßnahmen zur Änderung der staatlichen Struktur der DDR“ einstimmig an, und teilte das Land Brandenburg in die drei Bezirke Potsdam, Frankfurt (Oder) und Cottbus.
Die sozialistische Regierung hatte ein gespaltenes Verhältnis zum Erbe Preußens. Einerseits erkannte man die kulturellen und künstlerischen Leistungen an, dennoch sah man in zahlreichen Bauten den Ausdruck eines Militarismus und bevorzugte den Abriss statt Wiederaufbau historischer Bauwerke. In den ersten Jahren wurden Gebäude in aufwendigeren Stilen gebaut, um sie in das Stadtbild einzupassen. Unter dem zunehmenden ökonomischen Druck wurde später auf die günstigere Plattenbauweise umgestiegen, so wurden die neueren Stadtviertel im Süden wie Schlaatz, Waldstadt II und Drewitz in einem einheitlichen Baustil errichtet.
1949 wurde Ost-Berlin zur Hauptstadt der DDR erklärt. Mit dem Mauerbau verlor Potsdam 1961 seinen direkten Anschluss zum Nachbarn West-Berlin. Damit wurde die Berliner Mauer auch in Potsdam zur Grenze zwischen Ost und West. Bemerkenswert ist die kleine westliche Exklave Berlin-Steinstücken, die isoliert in Babelsberg verblieb. Der Übergang an der Glienicker Brücke war als Grenzübergang den Militärmissionen der vier Besatzungsmächte Berlins vorbehalten und wurde während des Kalten Krieges zum Austausch der Spione genutzt. Beim spektakulärsten Transfer 1962 wurde der sowjetische Spion Rudolf Iwanowitsch Abel gegen den US-Piloten Francis Gary Powers getauscht. Direkt nach dem Mauerfall 1989 konnte die Brücke als „Brücke der Einheit“ von der Bevölkerung wieder genutzt werden.
Jüngere Vergangenheit
Mit der Wiedergründung des Landes Brandenburg nach der Deutschen Einheit 1990 wurde Potsdam dessen Hauptstadt. Es existieren seither verschiedene Initiativen zur Rekonstruktion einiger zerstörter Gebäude der Innenstadt, so beispielsweise der Garnisonkirche oder des Stadtschlosses. Bereits 1990 wurden weite Teile der Kulturlandschaft Potsdams zum UNESCO-Welterbe ernannt. Ein architektonisch anspruchsvoller Neubau steht seit 1997 an Stelle der Heiligengeistkirche, in ihm ist ein Altenpflegeheim eingerichtet. Das eintausendjährige Bestehen der Stadt konnte offiziell 1993 gefeiert werden. Der 1963 zugeschüttete Stadtkanal wurde teilweise in Anlehnung an seinen alten Verlauf wieder freigelegt. Im Jahr 2001 fand in Potsdam unter dem Motto „Gartenkunst zwischen gestern und morgen“ die Bundesgartenschau statt. 2004 erhielt die Stadt die Goldmedaille beim Bundeswettbewerb Unsere Stadt blüht auf. Potsdam bewarb sich neben 16 weiteren Städten um den Titel der Kulturhauptstadt Europas 2010, gewählt wurde die Ruhrstadt Essen.
gewählt wurde die Ruhrstadt Essen.
Militärgeschichte
Potsdam hatte stets eine ausgeprägte, aber wechselhafte militärische Vergangenheit. Die militärischen Befehlshaber waren zahlreich: von der preußischen über die kaiserliche Armee, Reichswehr, Wehrmacht, Roter Armee bis zur NVA und letztendlich zur Bundeswehr.
Als Residenz der preußischen Könige wurde die Stadt schnell zur Garnisonsstadt ausgebaut. Militärische Anlagen dominierten lange Zeit das Stadtbild und die Struktur der Bevölkerung, so dass der liberale Freidenker Alexander von Humboldt die Stadt 1854 als „öde Kasernenstadt“ bezeichnete. Bekannt wurden die Langen Kerls, die preußischen Gardesoldaten mit überdurchschnittlicher Körpergröße.
1945 übernahmen die Rote Armee und später die NVA die Mehrzahl der Kasernen. Nach der Wiedervereinigung war eine Armee in der bisherigen Größe nicht mehr erforderlich, so entstand der Volkspark Potsdam im Rahmen der Bundesgartenschau 2001 auf einem ehemalig militärisch genutzten Gelände in Potsdam-Bornstedt.
Seit Juli 2001 befindet sich das Einsatzführungskommando der Bundeswehr im Wildpark-West nahe Geltow bei Potsdam. Es ist das Führungskommando für alle Auslandseinsätze der Bundeswehr, auch in Kombination mit anderen Nationen. Von hier werden die Einsätze der ISAF, EUFOR, KFOR, OEF Marine, UNIFIL und die deutsche Beteiligung an Missionen der UN auf operativer Ebene geführt.
Eingemeindungen
Das Stadtgebiet Potsdams war bis Ende des 19. Jahrhunderts noch relativ klein. Zur Stadt Potsdam zählten außer der Innenstadt nur die Teltower, Brandenburger, Berliner, Jäger- und Nauener Vorstadt. Durch das Anwachsen der Bevölkerung und Bebauung musste das Stadtgebiet mehrmals erweitert werden. Dies geschah in mehreren Abschnitten mit der Eingliederung von benachbarten Rittergütern beziehungsweise Teilen davon. Damit wuchs das Stadtgebiet von 893 ha im Jahre 1836 auf 1.350 ha im Jahre 1905. 1928 wurde der Park von Sanssouci mit den Schlössern sowie ein großer Teil der Insel Tornow (heute Herrmannswerder) sowie 6 Gutsbezirke mit Brauhaus- und Telegrafenberg in das Stadtgebiet eingegliedert. Danach betrug die Stadtfläche 3.206 ha. 1935 wurden Bornim, Bornstedt, Eiche und Nedlitz eingemeindet, 1939 folgten die Industriestadt Babelsberg und weitere Dörfer. 1952 wurden einige dieser Gemeinden wieder selbständig. Im Oktober 2003 erreichte das Stadtgebiet nach zwei neuen Eingemeindungsprozessen im Rahmen der landesweiten Kreisgebietsreform seine heutige Ausdehnung. Dabei wurde die Fläche Potsdams allein durch die Eingemeindungen von 2003 um 60 % vergrößert, die Einwohnerzahl jedoch nur um 12 %.
Politik
An der Spitze der Stadt stand seit 1345 ein Consul beziehungsweise ab 1450 ein Bürgermeister. Ein Rat ist ab 1465 nachweisbar. Im 16. Jahrhundert und im 17. Jahrhundert hatte der Rat vier bis fünf Mitglieder, darunter auch den Bürgermeister. Später hatte der jeweilige Landesherr einen starken Einfluss auf die Stadtverwaltung. Ab 1722 gab es für die Altstadt und die Neustadt einen Magistrat, an der Spitze stand ein Stadtdirektor. 1809 wurde Potsdam eine kreisfreie Stadt mit einem Oberbürgermeister an der Spitze sowie mit einer Stadtverordnetenversammlung als gewähltem Gremium. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde die Stadtverordnetenversammlung aufgelöst und der Oberbürgermeister von der NSDAP eingesetzt. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges bildete die sowjetische Besatzungszone den Rat der Stadt mit einem Oberbürgermeister. Der Rat wurde vom Volk in einer Einheitsliste der Nationalen Front gewählt.
Nach der Wiedervereinigung Deutschlands 1990 wird die Stadtverordnetenversammlung wieder frei gewählt. Sie ist das Hauptorgan der Stadtverwaltung und die Vertretung der Bürgerinnen und Bürger. Die Stadtverordnetenversammlung wurde zuletzt im Oktober 2003 für eine fünfjährige Amtszeit gewählt, die nächste reguläre Kommunalwahl ist demnach 2008. Die Bezeichnung des Vorsitzenden war von 1990 bis 1999 Stadtpräsident und seither Vorsitzender der Stadtverordnetenversammlung. Der Vorsitzende wird ebenfalls direkt von den Bürgern gewählt.
Bei den letzten, direkten Oberbürgermeister-Wahlen im September 2002 konnte keiner der Kandidaten die absolute Mehrheit erringen. Daher musste durch eine Stichwahl im Oktober 2002 zwischen Jann Jakobs (SPD) und Hans-Jürgen Scharfenberg (PDS) das neue Stadtoberhaupt ermittelt werden. Dabei konnte sich Jann Jakobs mit einer denkbar knappen Mehrheit von 50,1 Prozent durchsetzen. Er übernahm das Amt von Matthias Platzeck der Ministerpräsident des Landes Brandenburg wurde. Die Tagespolitik wird in wechselnden Mehrheiten organisiert. Aufgrund der starken Zergliederung der Stadtverordnetenversammlung ist die Mehrheitsbeschaffung je nach Thema schwierig, so hätten selbst SPD, CDU und Bündnis 90/Die Grünen zusammen keine Mehrheit.
Der Landtag Brandenburg hat ebenfalls seinen Sitz in Potsdam in dem Gebäude der ehemaligen königlichen Kriegsschule auf dem Brauhausberg. Das Erscheinungsbild und die vormalige Nutzung des Gebäudes als Sitz der SED-Bezirksleitung brachten den Beinamen Kreml ein. Im Land Brandenburg regiert derzeit eine Große Koalition aus SPD und CDU unter Führung des Ministerpräsidenten Matthias Platzeck, sein Stellvertreter ist seit Februar 2007 der Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns (CDU).
Wirtschaft
Die Wirtschaft der Stadt Potsdam konnte sich seit der Wiedervereinigung vergleichsweise positiv entwickeln. Die Arbeitslosenquote ist niedriger als im Durchschnitt der neuen Bundesländer bei rund 10%. Die durchschnittlichen, verfügbaren Einkommen in Potsdam sind die höchsten unter den Großstädten der neuen Bundesländer, dicht danach folgen Jena und Dresden (Stand 2005). Die Gewerbesteuereinnahmen betrugen im Jahr 2005 mehr als 44 Millionen Euro und liegen damit auf einem vergleichbaren Niveau mit der Stadt Heidelberg. Der kommunale Schuldenstand ist mit nur 260 € pro Einwohner (allerdings ohne Eigenbetriebe) einer der geringsten in ganz Deutschland.
Diese günstige Entwicklung kann auf mehrere Faktoren zurückgeführt werden. Vor allem war die Wirtschaft der DDR in Potsdam eher an Verwaltung, Dienstleistung und Entwicklung orientiert und weniger an Produktion. Damit wurde der abrupte Strukturwandel / Strukturbruch nach der Wiedervereinigung wesentlich erleichtert im Vergleich zu anderen Städten mit hohen Industrieanteilen. Der historische Standort als Forschungszentrum erleichtert zusätzlich die Anpassung an die Erfordernisse einer modernen Marktwirtschaft mit höheren Ausbildungsniveaus. Zudem ist die geografische Lage im „Speckgürtel“ von Berlin attraktiv, der Anschluss an Infrastruktur wie Autobahn und Flughafen ist vergleichsweise gut ausgebaut.
In der Stadt sind ca. 6.000 Unternehmen ansässig, darunter vor allem kleinere und mittelständische. Zudem haben sich forschungsnahe Unternehmen aufgrund der Vielzahl der Forschungsinstitute angesiedelt. Die Region Potsdam und Umgebung ist laut der Untersuchungen der Boston Consulting Group, A. T. Kearney und BioCom der führende Biotech-Standort in Deutschland. Die Region kann auf eine dynamische Entwicklung verweisen und zählt mit insgesamt 160 Unternehmen und 3.200 direkt Beschäftigten zu den bedeutendsten Biotechnologiestandorten in Europa. Insgesamt beschäftigt die Biotechnologiebrache mit ihren verbundenen Organisationen rund 12.000 Menschen in der Region.
Zu den größeren privaten Einzelinvestoren der letzten Jahre zählt unter anderem die Firma Oracle, die 2001 ihre Deutschlandzentrale nach Potsdam verlegte. Direkt daneben entstand eine von weltweit drei VW-Designzentralen. Das Konsortium Toll Collect verlegte seinen Hauptsitz nach Berlin und Potsdam. Die Firma Katjes errichtete 2006 am Produktionsstandort Babelsberg die erste „gläserne Bonbonfabrik“ Europas. Größter privater Investor ist Hasso Plattner, der mit über 200 Mio. Euro ein High-Tech-Zentrum in Form des HPI finanzierte.
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Infrastruktur
Potsdam ist durch die Nähe zu Berlin gut an das Netz der Bundesautobahnen angeschlossen. Die Stadt wird im Westen und Süden vom sogenannten Berliner Ring der A 10 und im Osten von der Autobahn A 115 umgeben, die im Berliner Stadtgebiet auch als AVUS bezeichnet wird. Mehrere Bundesstraßen verlaufen durch das Stadtgebiet, zu ihnen zählen die B 1, B 2 und B 273. Die Stadt liegt an der deutsch-niederländischen Ferienstraße Oranier-Route.
Die Landstraße L 40 erschließt das südliche Berliner Umland über Stahnsdorf, Teltow, Mahlow, Schönefeld nach Berlin (Treptow-Köpenick) und wird im Potsdamer Stadtgebiet als Nuthe-Schnellstraße (Kraftfahrstraße) bezeichnet. Diese Straße verbindet Potsdam mit den Bundesstraßen B 101, B 96 und B 179.
Potsdam wird tangiert von der Unteren Havel-Wasserstraße. Sie ist die wichtigste Ost- West Verbindung auf der Wasserstraße zwischen der Oder Berlin und der Elbe. Der Hafen an der Langen Brücke in Potsdam wird von den Schiffen des Unternehmens Schiffahrt in Potsdam, der Haveldampfschiffahrt und Gastliegern von Unternehmen aus Deutschland und anderen europäischen Ländern genutzt. In der Alten Fahrt der Havel an der Freundschaftsinsel gibt es Anleger für den privaten Wassersport.
Von der Stadt aus führen Bahnlinien in die Richtungen Berlin, Flughafen Berlin-Schönefeld, Jüterbog, Dessau, Brandenburg an der Havel, Hennigsdorf und Senftenberg. Die Berlin-Potsdamer Eisenbahn (Abbildung) war die erste Eisenbahnstrecke Preußens und wird deshalb auch Stammbahn genannt. Sie schuf eine Verbindung zwischen den Städten Berlin, Zehlendorf und Potsdam. 1845 wurde die Strecke als Berlin-Potsdam-Magdeburger Eisenbahn bis nach Magdeburg fortgeführt. Eisenbahnbetrieblich ist Potsdam jedoch kein eigenständiger Knotenpunkt, stattdessen gehören seine Bahnanlagen zum Eisenbahnkomplex Berlin, dem Berliner Außenring. Zu diesen Bahnhöfen gehören der Bahnhof Potsdam Pirschheide, Bahnhof Golm und Bahnhof Marquardt, sowie der südlich von Potsdam gelegene Rangierbahnhof Seddin.
Den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) bedienen außer der S-Bahn Berlin verschiedene Straßenbahn- und Stadtbuslinien der Verkehrsbetriebe in Potsdam GmbH (ViP). Die Havelbus Verkehrsgesellschaft mbH betreibt mit mehr als 200 Regiobussen die Linien von Potsdam in den Landkreis Potsdam-Mittelmark sowie den Landkreis Havelland und zudem die Linien in die 2003 eingemeindeten Stadtteile. Alle Linien sind zu einheitlichen Preisen innerhalb des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB) zu benutzen.
Potsdam ist aufgrund der Nähe zur Stadt Berlin sehr gut an das internationale Flughafennetz angeschlossen. Die Entfernung zum Flughafen Berlin-Tegel und zum Flughafen Berlin-Schönefeld beträgt jeweils weniger als 20 km. Der neue Flughafen Berlin Brandenburg International soll ab 2011 die Kapazitäten wesentlich erhöhen.
Kultur- und Sehenswürdigkeiten
Welterbe
Bereits 1990 wurde die gesamte Potsdamer Kulturlandschaft auf gemeinsamen Antrag beider deutscher Staaten zum UNESCO-Welterbe erklärt. Seitdem gehören die Parkanlagen Sanssouci, Neuer Garten, Babelsberg, Glienicke und die Pfaueninsel mit ihren Schlössern sowie seit 1992 Schloss und Park Sacrow mit der Heilandskirche zum Weltkulturerbe. 1999 wurde das Potsdamer Welterbe um 14 Denkmalbereiche erweitert, darunter Schloss und Park Lindstedt, die Russische Kolonie Alexandrowka, das Belvedere auf dem Pfingstberg, der Kaiserbahnhof und die Sternwarte am Babelsberger Park. Insgesamt erstreckt sich das Welterbe auf rund 500 ha Parkanlagen mit 150 Gebäuden aus der Zeit von 1730 bis 1916. Die Berlin-Potsdamer Kulturlandschaft ist damit die größte der deutschen Welterbestätten.
Das Ensemble erfüllt die Ansprüche gemäß den Kriterien I., II. und IV. der UNESCO. Es ist zuerst eine einzigartige künstlerische Leistung, ein Meisterwerk des schöpferischen Geistes (I). Es hat während einer Zeitspanne oder in einem Kulturgebiet beträchtlichen Einfluss auf die Entwicklung der Architektur, der Großplastik oder des Städtebaus und der Landschaftsgestaltung ausgeübt (II). Zudem ist es ein herausragendes Beispiel eines Typus von Gebäuden oder architektonischen Ensembles oder einer Landschaft, die bedeutsame Abschnitte in der menschlichen Geschichte darstellen (IV).
Schlösser und Gärten
Potsdam ist heute vor allem bekannt als Stadt der Schlösser und Gärten. Die Berlin-Potsdamer Kulturlandschaft umfasst fast 20 Schlösser oder Palais mit sehr unterschiedlichem Charakter. Die prominenteste Sehenswürdigkeit und gleichzeitig das Wahrzeichen der Stadt ist das Schloss Sanssouci mit seinen umliegenden Parkanlagen. Nach eigenen Skizzen ließ der preußische König Friedrich der Große in den Jahren 1745–1747 ein kleines Sommerschloss im Stil des Rokoko errichten. Die Lage des Sommersitzes im Südwesten der Residenzstadt Berlin erinnert an die Funktion von Versailles im Verhältnis zu Paris. Deshalb wird die Stadt Potsdam auch als Versailles des Nordens bezeichnet, obwohl Sanssouci wesentlich intimer ist als das Vorbild in Frankreich.
Das Neue Palais ist das größte Schloss der Stadt Potsdam. Es befindet sich am westlichen Ende des Parks Sanssouci. Der Bau wurde 1763 nach Beendigung des Siebenjährigen Krieges durch Friedrich den Großen begonnen und bereits 1769 fertiggestellt. Es gilt als letzte bedeutende Schlossanlage des preußischen Barocks. Friedrich plante es allein zu Repräsentationszwecken. Über 200 Räume, vier Festsäle und ein Rokokotheater standen bereit. Über 400 Statuen aus der antiken Götterwelt schmücken die Fassade und die Dachbalustrade. Aufgrund der Größe und der reichen Verzierungen bezeichnete Friedrich die Anlage als „fanfaronnade“, was so viel bedeutet wie Prahlerei oder Angeberei.
Das Orangerieschloss, auch Neue Orangerie genannt, auf dem Höhenzug zwischen Klausberg und Schloss Sanssouci ließ der „Romantiker auf dem Thron“, Friedrich Wilhelm IV. in den Jahren von 1851 bis 1864 erbauen. Die Errichtung des Orangerieschlosses stand in Verbindung mit der Planung einer Höhenstraße bzw. Triumphstraße. Am Triumphtor, östlich des Parks Sanssouci, sollte die Prachtstraße beginnen und am Belvedere auf dem Klausberg enden. Höhenunterschiede sollten durch Viadukte ausgeglichen werden. Wegen der politischen Unruhen der Märzrevolution und der fehlenden finanziellen Mittel wurde das gigantische Projekt jedoch nie verwirklicht. Lediglich das Orangerieschloss und das Triumphtor wurden realisiert. Das Bauwerk wurde mit einer Frontlänge von 300 Metern im Stil der italienischen Renaissance errichtet, nach dem architektonischen Vorbild der Villa Medici in Rom und der Uffizien in Florenz.
Im Potsdamer Neuen Garten, dicht am Ufer des Heiligen Sees, ließ Friedrich Wilhelm II. in den Jahren 1787–1792 das Marmorpalais errichten. Die Architekten Carl von Gontard und ab 1789 Carl Gotthard Langhans schufen ein Schlossgebäude im Stil des Frühklassizismus. Das aus rotem Backstein errichtete Marmorpalais ist ein zweigeschossiges Gebäude mit quadratischem Grundriss. Wegen der schönen Aussicht wurde auf das flache Dach des kubischen Baukörpers ein Rundtempel gesetzt. Als Blickfang dient unter anderem das weiße Schloss auf der Pfaueninsel.
Neben den zahlreichen Schlössern verfügt Potsdam heute über sieben weitreichende Parklandschaften. Die Havellandschaft, welche ursprünglich aus nicht kultivierten Seen, Hügeln und Wäldern bestand, wurde über Jahrhunderte hinweg in eine weiträumige Gartenlandschaft umgewandelt. Im Laufe der Zeit entstand ein Kranz aus großen Gärten, jeder Park verfügt über eine eigene individuelle Ausgestaltung. Verbunden sind sie durch Wege und Sichtachsen, welche aber heute zum Teil durch Gebäude verstellt sind.
Die bekannteste Gartenanlage ist der Park Sanssouci. Auf Anweisung Friedrichs des Großen wurde der „Wüste Berg“ 1744 durch die Anlage von Weinterrassen kultiviert. Durch die Ausweitung nach Westen, bildete sich bis zum Neuen Palais eine schnurgerade ca. 2,5 Kilometer lange Hauptallee. Die Sehenswürdigkeiten im Park Sanssouci sind zahlreich. Neben Schlossgebäuden, Pavillons, kleineren Gartenarchitekturen und reichem Skulpturenschmuck befindet sich auch ein Gewächshaus des Botanischen Gartens auf dem Areal sowie eine Mühle, um die sich eine Legende spannt.
Der Neue Garten entstand ab 1787. Er sollte dem Zeitgeist entsprechend ein gartenarchitektonisch modernes Bild wiedergeben und sich von den überholten Formen des barocken Parks Sanssouci abheben. Der freien Natur nachgebildet, betonte man in der Gestaltung den landschaftlichen Charakter. Die Bäume und Pflanzen sollten ungeschnitten in freier Wuchsform natürlich erscheinen. Die bekanntesten Gebäude sind das Schloss Cecilienhof und das Marmorpalais, aber auch eine kleine Pyramide, eine Sphinx am Ägyptischen Portal der Orangerie und ein Obelisk sind zu entdecken. Der Heilige See am Neuen Garten ist eine beliebte Badestätte für Potsdamer und Berliner.
Peter Joseph Lenné und Fürst Hermann von Pückler-Muskau gestalteten den Park Babelsberg. Das zur Havel abfallende, hügelige Gelände wurde ab 1833 in eine Parklandschaft umgewandelt. Neben den zwei Schlössern im Park bietet der 46 Meter hohe Flatowturm eine hervorragende Aussicht über die Stadt. Den tiefsten Einschnitt erfuhr der Park durch den Bau der Berliner Mauer 1961. Das Grenzgebiet durfte nicht betreten werden und verwilderte, heute ist es wieder kultiviert und zugängig. Auch in diesem Park befindet sich ein Teil der Universität Potsdam.
Die Freundschaftsinsel liegt im Zentrum der Stadt, in der Nähe des Hauptbahnhofs. Ihren Namen erhielt die Insel vor rund 150 Jahren von einem dort gelegenen Gasthaus. Auf Anregung Karl Foersters entstand 1938–1940 hier der erste Schau- und Sichtungsgarten für winterharte Blütenstauden, Farne und Gräser. Pünktlich zur BUGA 2001 erstrahlte die Insel wieder als Gartenjuwel mit über 1.000 verschiedenen Staudensorten. Die Insel ist ein beliebtes Erholungsziel, sie bietet Gastronomie, einen Spielplatz, eine Freilichtbühne und einen Bootsverleih. Der älteste Garten der Stadt Potsdam ist der Lustgarten, den der Große Kurfürst 1660 vor dem ehemaligen Stadtschloss anlegen ließ. Im Rahmen der Bundesgartenschau 2001 wurde er in moderner From wieder hergerichtet. Der Wildpark Potsdam gilt als „Lennés vergessener Garten“. Er wurde 1843 eingerichtet und ist über 875 Hektar groß. Erreichbar ist er über die Bahnstation Potsdam Sanssouci, bekannt durch den Kaiserbahnhof. Der Volkspark Potsdam ist der neueste Park in der Stadt. Er wurde zur Bundesgartenschau 2001 auf einem ehemaligen militärisch genutzten Gelände in Potsdam-Bornstedt angelegt. Der Volkspark wird kommerziell betrieben und legt größeren Wert auf Unterhaltung und Sport. Die dort errichtete Biosphäre ist eine Tropenhalle mit rund 20.000 Gewächsen, die zudem für Veranstaltungen genutzt wird.
Viertel und Plätze
Seit der Neuzeit ist Potsdam eine europäisch geprägte Stadt, vor allem durch die Zuzüge aus anderen Ländern. Dies spiegelt sich auch in der Kultur und Architektur der Stadt wider. Neben zahlreichen Baustilen aus unterschiedlichen Epochen finden sich im Potsdamer Stadtbild auch Wohnhäuser nach dem Vorbild holländischer und russischer Bauweise, die für ehemalige Siedler errichtet wurden. Dem Zeitgeist entsprachen exotische Gebäude wie unter anderem das Chinesische Haus aus dem 18. Jahrhundert oder die Schweizerhäuser in Klein Glienicke aus dem 19. Jahrhundert. Im norwegischen Stil wurde die Matrosenstation Kongsnaes errichtet (1945 größtenteils zerstört) und im englischen Landhausstil das Schloss Cecilienhof im Neuen Garten. Obwohl die Stadt eine über eintausendjährige Geschichte hat, sind keine Bauten aus dem Mittelalter erhalten, da die entscheidende Stadtentwicklung erst mit der Neuzeit am Ende des 17. Jahrhunderts begann. Die jeweiligen Regenten zeigten mit ihren ambitionierten Bauvorhaben ihre Vorliebe für Kultur und technische Leistungsfähigkeit.
Wegen der kostengünstigen und zeitsparenden Bauweise holländischer Bürgerhäuser, aber auch um holländische Handwerker nach Potsdam zu locken, ließ der Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. zwischen 1733 und 1740 das Holländische Viertel errichten. Der zu den ersten Siedlern gehörende Baumeister Jan Boumann bekam die Leitung übertragen. Das zentral gelegene und in sich geschlossene Quartier besteht aus 134 Häusern aus rotem Backstein, die durch zwei Straßen in vier Blöcke aufgeteilt werden. Das Viertel wird durch das Nauener Tor und die St.-Peter-und-Paul-Kirche begrenzt.
das Nauener Tor und die St.-Peter-und-Paul-Kirche begrenzt.
Im Norden der Stadt entstand in den Jahren 1826/27 die Russische Kolonie Alexandrowka für die letzten zwölf russischen Sänger eines Chores. Peter Joseph Lenné gab der Anlage die Form eines Hippodroms mit eingelegtem Andreaskreuz. Durch die verwandtschaftlichen und freundschaftlichen Beziehungen zwischen den Häusern Hohenzollern und Romanow wurde die Kolonie als Denkmal der Erinnerung nach dem 1825 verstorbenen Zar Alexander I. benannt. Die Siedlung besteht aus insgesamt dreizehn Fachwerkhäusern. Die Außenwände der freistehenden ein- und zweigeschossigen Giebelhäuser sind mit halbrunden Baumstämmen verkleidet und erinnern an russische Blockhäuser. Die für die Kolonisten erbaute russisch-orthodoxe Kirche Alexander Newski steht in der Nähe auf dem Kapellenberg, daneben ein vierzehntes Haus im gleichen Baustil.
Baustil. Das Weberviertel Nowawes im heutigen Babelsberg mit der Friedrichskirche in seiner Mitte, ließ Friedrich der Große 1751 für böhmische Protestanten errichten. Friedrich II. gewährte den Glaubensflüchtlingen Steuer- und Religionsfreiheit. Die meist fünfachsigen Weberhäuser wurden von je zwei Familien bewohnt. Der König gab die Anweisung Nussbäume zu pflanzen, um das Holz für die Produktion von Gewehren zu nutzen. Ab 1780 pflanzte die Forstverwaltung Maulbeerbäume für die Seidenraupenzucht.
Der Alte Markt ist das historische Zentrum der Stadt. Hier wurden die Bauten des Stadtschlosses, der St.-Nikolaikirche, des Lustgartens und des Alten Rathauses errichtet. Während der DDR-Zeit entstanden hier zusätzlich das heutige Hotel Mercure als Hochhaus, die Fachhochschule Potsdam und das Filmmuseum im historischen Marstall. Das zerstörte Stadtschloss hinterließ eine große Lücke, die durch einen Neubau des Schlosses als Brandenburgischer Landtag wieder geschlossen werden soll. Inwiefern die Architektur des Landtages eher historisch oder modern gestaltet werden soll, ist noch nicht entschieden.
Der Neue Markt aus dem 17. und 18. Jahrhundert ist einer der schönsten und besterhaltensten Barockplätze Europas. In seiner Mitte errichtete Jan Boumann die Ratswaage. Im Südwesten des Platzes steht der ehemalige Kutschstall, in dem sich heute das Haus der Brandenburg-Preußischen Geschichte befindet. Das Kabinetthaus am Neuen Markt 1 war ein Stadtpalais. In ihm wurden der spätere König Friedrich Wilhelm III. und Wilhelm von Humboldt geboren. Heute befinden sich in den Gebäuden am Neuen Markt eine Reihe kultureller und wissenschaftlicher Einrichtungen. Der Neue Markt liegt versteckt hinter neueren Häusern und wurde erst Ende der 1990er Jahre grundlegend saniert.
Der Luisenplatz verbindet die größte Einkaufspassage der Brandenburger Straße mit der Allee zum Eingang des Parks Sanssouci am Grünen Gitter. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der Luisenplatz durch Peter Joseph Lenné gärtnerisch gestaltet und mit einem Brunnenbecken mit Fontäne in der Mitte versehen. Die Gartenanlage wich in den 1930er Jahren des 20. Jahrhunderts einem Umbau zum Parkplatz und der damit verbundenen Pflasterung. Der Platz wurde im Jahr 2000 wieder in Anlehnung an das Original Lennés gestaltet. Zwischen dem Luisenplatz und der Brandenburger Straße steht seit 1770 das kleine Brandenburger Tor.
Stadttore
Als Garnisonsstadt verfügte Potsdam über eine Stadtmauer, die aber nicht der Befestigung diente, sondern vor allem die Desertion der Soldaten und den Warenschmuggel verhindern sollte. Die Stadtmauer verband die Stadttore, von denen heute noch drei erhalten sind: das kleine Brandenburger Tor, das Nauener Tor und das Jägertor. Bis in das 18.Jahrhundert gab es um Potsdam keine Befestigungsanlagen. Friedrich Wilhelm I. ließ 1718 die südliche Wasserseite mit einem Palisadenzaun versehen. 1722 wurde mit dem Bau einer Backsteinmauer begonnen. Sie war rund vier Meter hoch und wurde Accise-und Desertations-Communikation genannt. Im Bereich der Alten Wache bog die Stadtmauer in die heutige Charlottenstraße ab, dort stand damals das Havelländisches Tor. Mit der Stadterweiterung 1733 wurde die Mauer und das Tor wieder abgerissen.
Das älteste erhalten gebliebene Tor, das Jägertor wurde 1733 errichtet und bildete einen der Ausgänge nach Norden. Seinen Namen erhielt es nach dem vor der Stadt liegenden kurfürstlichen Jägerhof. Architrav und Bekrönung bestehen aus Sandstein, während die rustizierten Pfeiler aus verputztem Ziegelmauerwerk errichtet wurden. Das wesentlich größere Nauener Tor stammt aus dem Jahr 1755 und ist eines der ersten Beispiele der von England beeinflussten Neogotik auf dem europäischen Kontinent. Seine Nutzer waren das Militär und Händler, Handwerker und Verwaltungen bis zur Gastronomie. Der Platz vor dem Nauener Tor ist heute mit der hohen Dichte von Cafés, Restaurants und Bars ein beliebter Treffpunkt der Potsdamer und ihrer Gäste. Eine Straßenbahnlinie führt direkt durch das Nauener Tor.
Das Brandenburger Tor, nicht zu verwechseln mit dem Wahrzeichen der Stadt Berlin, wurde in seiner heutigen Form 1770 im Auftrag Friedrichs II. gebaut. Nach dem Ende des Siebenjährigen Krieges wurde das ursprüngliche alte Tor abgetragen und als Zeichen des Sieges durch den aktuellen, monumentalen Neubau ersetzt. Als Vorbild diente unter anderem der Konstantinsbogen in Rom. Das Tor hat zwei Baumeister und deshalb auch zwei Gesichter. Carl von Gontard entwarf die Stadtseite, sein Schüler Georg Christian Unger übernahm die Feldseite.
Anstelle der abgetragenen Stadtmauer verbindet heute eine Promenade die drei Tore. Zwei Stadttore sind nicht mehr erhalten. Das ehemalige Berliner Tor wurde 1945 völlig zerstört, vom Neustädter Tor ist nur noch ein einzelner Obelisk erhalten geblieben. Es entstand 1735 nach einer Idee und Zeichnung von Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff als Schlusspunkt der vom Stadtschlossbereich ausgehenden Breiten Straße. Zwei Obelisken mit bedeutungslosen Hieroglyphen als Schmuck und Adlern auf der Spitze bildeten das eigentliche Tor. Kleine mit Arkaden versehene und mit Trophäen geschmückte Torhäuser komplettierten den Bau. In der Nacht vom 14. April 1945 wurde auch dieses Bauwerk zerstört. Lediglich ein Obelisk wurde im Zuge der Neuanlage der Breiten Straße in unmittelbarer Nähe zum ursprünglichen Standort wieder aufgebaut.
Theater
Das neue Hans-Otto-Theater wurde im September 2006 fertiggestellt und eingeweiht. Es löste damit das vorherige Provisorium am Alten Markt ab, das wegen der Metallkonstruktion von den Potsdamern auch Blechbüchse genannt wird. Im Rahmen des Festakts wurde in Anwesenheit des Bundespräsidenten Horst Köhler und des brandenburgischen Ministerpräsidenten Matthias Platzeck auf die kulturelle und wirtschaftliche Bedeutung des neuen Theaterstandorts für die Stadt Potsdam hingewiesen. Durch den Neubau erhofft man sich eine Signalwirkung für den Kulturstandort in den Neuen Bundesländern. Das Ensemble spielt nun in der Schiffbauergasse am Ufer des Tiefen Sees, die sich zum kulturellen Zentrum der Stadt entwickelt. Es gab fünf große Eröffnungen: Die fabrik Potsdam, das T-Werk, der Kunstraum Potsdam und die Schinkelhalle, die mit Veranstaltungen des Waschhauses eröffnet wurde und das Hans-Otto-Theater. Das T-Werk ist ein internationales Theater- und Theaterpädagogikzentrum, seit dem Jahr 1997 arbeitet das T-Werk mit eigenen Ensembles an Inszenierungen und Produktionen.
Das historische Theater im Neuen Palais wird zu den schönsten noch erhaltenen Theaterräumen des 18. Jahrhunderts gerechnet. Es nimmt die beiden oberen Stockwerke des gesamten Südflügels ein. Die Farben rot und weiß dominieren, geschmückt von goldfarbenen Hermen und Ornamentik. Die Sitzreihen sind im Halbrund, ähnlich der eines antiken Amphitheaters angeordnet. Eine Königsloge findet sich wider Erwarten nicht. Friedrich der Große verzichtete auf sie und wohnte den Aufführungen in der dritten Parkettreihe bei. Da der König die deutsche Kunst gering schätzte, wurden hauptsächlich italienische und französische Künstler engagiert. Die alte Bühnentechnik ist nicht mehr vorhanden. Bis in die heutige Zeit finden Vorstellungen in dem reizvollen Rokokotheater statt.
Museen und Gedenkstätten
Die Gedenkstätte im KGB-Gefängnis arbeitet erlittenes Unrecht auf.
Neben den traditionellen Museumshäusern haben in den letzten Jahren eine Reihe neuer Museen und Gedenkstätten die Museumslandschaft der Landeshauptstadt Potsdam wesentlich erweitert. Bekannteste Neugründung ist das Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte. im August 2003. Die Gedenkstätten beleuchten die jüngere deutsche Geschichte oder die traditionellen internationalen Beziehungen Potsdams. Die Stadt verfügt damit über eine Vielzahl an Museen mit einer Bandbreite an Thematiken.
Das Potsdam-Museum bietet Ausstellungen zur Stadt- und Landesgeschichte sowie Sonderausstellungen im historischen Museumshaus. In umfangreichen Sammlungen hat das Naturkundemuseum Potsdam mehr als 220.000 Objekte zur Tierwelt Brandenburgs zusammengetragen. Die schönsten Exponate werden in den Ausstellungen präsentiert. Das Museum ist im ehemaligen Ständehaus der Zauche untergebracht. Es wurde 1770 nach Plänen von Georg Christian Unger erbaut und gehört zu einem Ensemble mit dem Großen Militärwaisenhaus in der Innenstadt. 1945 wurde es durch Bomben- und Artilleriebeschuss beschädigt. Nach mehrmaliger Rekonstruktion ist das Haus heute ein Beispiel für die kulturelle Nutzung eines historischen und denkmalgeschützten Gebäudes.
Früher standen im S-Bahn-Unterwerk Bahnhof Griebnitzsee große Transformatoren und Gleichrichter, die den Strom für die S-Bahn lieferten, heute ist hier das S-Bahn-Museum eingerichtet. Das Museum dokumentiert die bisherige Entwicklung der S-Bahn in Ost und West. Ausgestellt werden unter anderem die ersten Fahrkartenautomaten oder historische Bahnhofsschilder.
Weitere Museen umfassen die Gedenkstätte zum 20. Juli 1944 und die Gedenkstätte Lindenstraße im ehemaligen Untersuchungsgefängnis der DDR-Staatssicherheit. Das Jan-Bouman-Haus präsentiert die Geschichte und Architektur des Holländischen Viertels. Das Filmmuseum Potsdam im Marstall am Alten Markt zeigt die Entwicklung der Filmgeschichte mit Betonung auf den historischen Standort der Filmstudios in Babelsberg. Am Park Sanssouci befindet sich das Mühlenmuseum in der Historischen Mühle, mit mühlenkundlicher Ausstellung und praktischer Darstellung des Mahlvorgangs. Die Gedenk- und Begegnungsstätte im ehemaligen KGB-Gefängnis Potsdam dokumentiert die Geschichte des KGB im besetzten Nachkriegsdeutschland. Die Nowaweser Weberstube im Weberviertel zeigt die wechselhafte Geschichte der Weber- und Spinnerkolonie Nowawes im heutigen Stadtteil Babelsberg.
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Medien
Das 1911 gegründete Filmstudio Babelsberg in Babelsberg ist das älteste Großfilmstudio der Welt und gleichzeitig das flächenmäßig größte Filmstudio in Deutschland. Es ist vor allem bekannt für seine legendären Filme der Anfangszeit wie Metropolis und Der Blaue Engel. Heute ist das Filmstudio Babelsberg eines der führenden Zentren für Produktionen von Film und Fernsehen. Auf dem Gelände befindet sich ebenfalls der Filmpark Babelsberg, ein Themenpark mit Stuntshows und Kulissen aus den Filmen.
In Potsdam erscheinen als Tageszeitung die Potsdamer Neuesten Nachrichten (PNN) als Regionalausgabe des Berliner Tagesspiegels und die Märkische Allgemeine Zeitung (MAZ) mit Potsdamer Regionalteil. Der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) hat einen Standort in Potsdam-Babelsberg, unter anderem mit den Radiosendern Antenne Brandenburg, Fritz und Radio Eins. Außerdem existiert ein lokaler Fernsehsender namens PotsdamTV und ein deutsch- und englischsprachiges Reise- & Lifestylemagazin "Potsdam Magazin International". Seit 1997 erscheint monatlich das Szene-Magazin „EVENTS“, das die Veranstaltungen des Monats und zahlreiche Gastronomietipps enthält.
Quellen : www.wikipedia.de





